Europäisches Solidaritätscorps: Mehrwert zum bestehenden Europäischen Freiwilligendienst?

 Im September 2016 erstmals von EU-Kommissionspräsident Juncker in der Lage der Union erwähnt und bereits am 7. Dezember 2016 wurde das europäische Solidaritätscorps gestartet. Das ging schnell. Doch was ist das? Und wie unterscheidet sich dieser vom Europäischen Freiwilligendienst?  Im Europäischen Solidaritätskorps (ESC) erhalten junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren Gelegenheit, sich in verschiedensten Projekten für bedürftige Menschen in der gesamten EU einzusetzen. Ihre Unterstützung kommt nicht nur den unmittelbar Betroffenen zugute, sondern auch nationalen und lokalen Behörden, Nichtregierungsorganisationen und Unternehmen, die bei der Bewältigung von Herausforderungen und Krisen Hilfe benötigen. 18- bis 30-Jährige können für zwei bis zwölf Monate teilnehmen an: Freiwilligenprojekten durch unbezahlte Freiwilligentätigkeiten sowie durch Beschäftigungsprojekte durch Praktika, Arbeits- und Ausbildungsplätze. Bis 2020 so Juncker, sollen 100.000 junge Europäerinnen und Europäer daran teilnehmen.

Finanziert soll der ESC aus bestehenden Töpfen werden, was die Sachlage unübersichtlich macht. So wird wohl das „Erasmus +“ Programm, worunter der Europäische Freiwilligendienst auch finanziert wird, „Your first Eures Job“, das Umweltprogramm „LIFE“, „Europa für Bürgerinnen und Bürger“,  der Fonds für Beschäftigung und soziale Innovation "ESFI" sowie der Asyl- Migrations- und Integrationsfonds "AMIF" zur Finanzierung dienen. Geplant sei auch eine spätere Finanzierung über die EU-Jugendgarantie und über die EU-Jugendbeschäftigungsinitiative zu etablieren.

Hinter dem Europäischen Solidaritätscorps steht der Gedanke: „Die Solidarität der jungen Leute soll die EU zusammenhalten“. Obwohl Träger der Freiwilligendienste und Jugendverbände in Europa kurzfristig zum ESC eingebunden und befragt wurden, entsteht der Eindruck, dass die EU-Kommission im Rahmen der Herausforderungen in Europa unter dem Label „Solidarität und Jugend“ die EU-Finanzierungsmittel analysiert hat. Prinzipiell ein lobenswerter Gedanke, Jugendliche in Europa stärker ins Visier zu nehmen, dennoch sollten Doppelstrukturen von bestehenden Instrumenten wie dem Europäischen Freiwilligendienst vermieden und für neue Ideen zusätzliche finanzielle Mittel mobilisiert werden. Besonders wichtig ist, dass die Qualitätsstandards des Europäischen Freiwilligendienstes beim zukünftigen Europäischen Solidaritätscorps beibehalten werden und dass das freiwillige Engagement nicht für arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen instrumentalisiert wird. Oft entstehen gute Ideen, scheitern jedoch an sektorspezifischen Feinheiten und gewachsenen Strukturen in den Mitgliedsstaaten. Darüber hinaus haben in den letzten Jahren die Zusammenlegung von diversen EU-Programmen einige Herausforderungen mit sich gebracht, daher werden die Träger des katholischen Europabüros die weiteren Entwicklungen zum ESC kritisch beobachten.

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